Petra - das Wunder im Herzen Jordaniens
Unbestritten die größte touristische Attraktion Jordaniens ist Petra, die rosarote Nabatäerstadt im Süden des Landes, die oft als das achte Weltwunder bezeichnet wird.

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Das Schatzhaus Al Khazneh. Foto: FVA Jordanien
Die sogenannte Königin der Karawanenstädte ist das bedeutendste Kultur-denkmal Jordaniens. Geschützt in einem Bergkessel gelegen und von außen vollkommen uneinsehbar war die verborgene Stadt aus der Zeit um den Beginn der heutigen Zeitrechnung erst im Jahre 1812 von dem englisch-schweizerischen Forscher John Lewis Burkhardt wiederentdeckt worden.

Der Nachwelt erhalten geblieben sind um die 1000 zum Teil mit herrlichen Fassaden geschmückte Felsengräber und Tempel, ein Theater und mehrere Opferplätze. Das gesamte Gebiet von Petra mißt mehr als 20 Kilometer im Durchmesser und ist noch lange nicht vollständig ausgegraben.

Den einzigen Zugang nach Petra bildet ein fast zwei Kilometer langer Siq, eine natürliche, durch Erdbeben entstandene, enge Felsspalte, die dem Verlauf eines ausgetrockneten Flußtals folgt. Dieser nur wenige Meter breite und ursprünglich auf ganzer Länge gepflasterte Siq war als offizielle Straße nach Petra in erster Linie Verkehrsweg, hatte aber auch eine religiöse Bedeutung, denn er sollte die Besucher auf die Stadt vorbereiten. Steilwände von oft über 100 Metern Höhe ragen zu beiden Seiten der ehrerbietenden Schlucht auf. Der Weg durch diesen Siq führt in das Herz der Stadt, der Ausgang befindet sich direkt gegenüber des sogenannten Schatzhauses, des wohl schönsten und berühmtesten Baudenkmals von Petra.
Das legendäre Petra war einst Zentrum und Hauptstadt des riesigen Handelsimperiums der Nabatäer. Der Name Petra stammt aus dem Griechischen und bedeutet Felsen. Die Nabatäer selbst nannten ihre Stadt Requem oder Reqmu - ein Name, der sich auf die Schattierungen des für Petra so charakteristischen Sandsteins bezog, der von gelblich über rötlich bis hin zu grau-bläulich schimmert.

Dort wo Petra gebaut wurde, soll um das 13. Jahrhundert vor Christus Sela, die im Alten Testament erwähnte Hauptstadt der Edomiter, gelegen haben, bis die Nabatäer die Edomiter um das 6. Jahrhundert vor Christus zwangen, das Gebiet zu verlassen.

Die Nabatäer, die ursprünglich ein räuberisches Nomadenvolk semitischen Ursprungs waren, wurden im Verlauf der Geschichte zu erfolgreichen Händlern und Karawanenführern. Sie wußten die geographische Lage ihrer Stadt an der Karawanenroute zwischen der arabischen Halbinsel und dem syrisch-anatolischen Gebiet sowie Ägypten geschickt auszunutzen und machten ihr Reich zu einer perfekt durchorganisierten wirtschaftlichen Einflußzone. Sechs Jahrhunderte lang war Petra ein wichtiges Etappenziel an dieser unumgänglichen Karawanenstraße.

Der Reichtum der Nabatäer beruhte auf der Kontrolle der Karawanen-straßen. Sie erhoben Wegezölle, versorgten die vorbeiziehenden Kara-wanen mit Wasser, Nahrung und Unterkunft und betrieben einen regen Handel mit Weihrauch, Myrrhe, Gewürzen und Seide.

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Der schmale Siq führt nach Petra. Foto: FVA Jordanien
Weihrauch war zur damaligen Zeit ein kostbares Gut, denn es wurde von den alten Ägyptern, den Griechen und Römern bei Kulthandlungen ver-wendet, um einen angenehmen Duft zu verbreiten. Der Weihrauch kam zum größten Teil aus dem Oman. Seidenstoffe kamen aus Indien, Elfenbein aus Afrika und Perlen vom Roten Meer.

Seine Blütezeit erlebte das Nabatäerreich im 1. Jahrhundert vor bis zum Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus. Vom immensen Reichtum der Nabatäer zeugen die zahlreichen, heute noch zu sehenden Denkmäler Petras.

El Khazneh, das sogenannte Schatzhaus, ist das Wahrzeichen Petras. Der Anblick der hohen, nach einer letzten Biegung des Siqs durch den Spalt blitzenden, Fassade ist unvergeßlich. Die Kunstfertigkeit der vor 2000 Jahren am Bau beteiligten Bildhauer ist unvergleichlich. Das Schatzhaus ist tief aus dem Fels der Steilwand herausgehauen, die dem Ausgang des Siqs gegenüberliegt. Die eindrucksvolle harmonisch gegliederte, zweistöckige Fassade mißt 40 Meter (Höhe) mal 28 Meter (Breite). Der untere Teil besteht aus einer Vorhalle mit sechs Säulen, wohingegen der obere Teil ein dreieckiges Giebelfeld aufweist, das von einer Urne gekrönt ist. Man geht davon aus, daß das prächtige Denkmal ein Grab, Tempel oder Mausoleum ist. Die heute gebräuchliche Bezeichnung des Monuments als Schatzhaus bezieht sich auf die Urne, von der es heißt, sie solle den Pharaonenschatz aus der Zeit des Exodus enthalten.Das Schatzhaus gilt als bedeutendstes Bauwerk Petras. Die Fassade ist in bemerkenswert gutem Zustand, was darauf zurückzuführen ist, daß sie besonders tief in den Fels hineingearbeitet und wettergeschützt ausge-richtet ist. Einen schönen Farbkontrast bildet das rosarot des Schatzhauses gegenüber der bräunlichen Farbe des Steins vom unbehauenen Teil der Steilwand.
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Das Koster al Deir. Foto: FVA Jordanien
Zu den weiteren Höhepunkten Petras gehört ein römisches Theater mit 33 Stufenreihen für mindestens 5000 Zuschauer, das zu Beginn des 1. Jahr-hunderts nach Christus vollständig in den Fels gebaut und erst 1961 von amerikanischen Archäologen wieder ausgegraben wurde.

Die sogenannte Königswand direkt gegenüber des Theaters beherbergt eine imposante Reihe herrlicher Königsgräber aus dem 1. und 2. Jahr-hundert nach Christus (u.a. Urnengrab, Seidengrab, Korinthisches Grab, Palastgrab).

Weitere bedeutende Zeugnisse der Nabatäerkultur sind eine hochgelegene 65 Meter lange Opferstätte, eine säulengesäumte römische Pflasterstraße sowie das Kloster Ed-Deir, das gegen Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus vermutlich als Königstempel errichtet wurde. Das Ed-Deir bietet die mit 2300 qm größte Fassade der Stadt und erinnert in der Gestaltung an das Schatzhaus – jedoch weichen die Proportionen des Ed-Deir bei einer Fläche von 50 Meter Breite und 40 Meter Höhe stark ab. Das Monument ist nur mit Mühe zu erreichen, der Aufstieg führt über 760 Stufen – Zeit, die man sich allerdings unbedingt nehmen sollte, denn ohne einen Besuch des Ed-Deir hat man Petra nur unvollständig gesehen. Und ein Blick von der acht Meter hohen Urne auf dem Dach des Ed Deir ist ein unvergeßliches Erlebnis.
Bei den immer noch andauernden Ausgrabungsarbeiten konnten die Archäologen auch immer wieder Zeuge der beachtlichen Fähigkeiten der Nabatäer auf dem Gebiet der Wasserbautechnik werden. Nabatäische Baumeister errichteten vor fast 2000 Jahren einen 88 Meter langen und 6 Meter hohen Felstunnel, um das lebenswichtige, während der Regenzeit (Winter/Frühjahr) jedoch für die Stadt bedrohliche Wasser des Wadi umzuleiten und kontrolliert nutzen zu können. Ohne diesen Tunnel wäre das Wasser mit solcher Macht durch die Schlucht direkt in die Stadt hineingeflossen, daß es sie zerstört hätte. Sogar das Regen- und Kondenswasser wurde gesammelt und nach Petra geleitet. Noch heute ist der Wasserkanal sichtbar, der sich in einer Höhe von etwa 2 Metern entlang der Wände des Siqs zieht.

Die Nabatäer verloren ihr Reich im Jahre 106 nach Christus durch mangelnde Diplomatie und fortwährende Streitigkeiten an die militärisch mächtigen Römer. Petra wurde als Hauptstadt der Provinz Arabia Petraea in das Römische Reich eingegliedert. Dennoch herrschte noch bis ins 3. Jahrhundert Wohlstand in Petra, danach begann jedoch der Niedergang, da die Handelswege sich entlang des Euphrats verschoben hatten. Es wurden fortan keine Münzen mehr geprägt, die Bevölkerung konvertierte zum Christentum und die Stadt wurde Bischofssitz.

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Obeliskengrab in Petra. Foto: FVA Jordanien
Im 6. Jahrhundert zerstörte schließlich ein Erdbeben die meisten der nicht in den Fels gehauenen Gebäude. Petra wurde zur Toten Stadt, deren steinerne Überreste heute ein bedeutendes Zeugnis einer bemerkenswerten antiken Kultur darstellen. Viele Archäologen behaupten, daß erst ein Prozent der gesamten Baumasse Petras bisher ausgegraben ist. Es werden vor allen noch römische Villen und Wohnhäuser unter dem Sand vermutet.

Vor den Toren Petras liegt Ain Musa, die Mosesquelle. Moses soll sie laut Bibel aus dem Stein geschlagen haben. Die Quelle versorgte schon die Nabatäer mit Wasser. Die Moslems errichteten später eine Moschee über der Quelle, die noch heute genutzt wird.

Info: Petra liegt 280 km von Amman entfernt und ist über die Königsstraße erreichbar. Aqaba am Roten Meer liegt etwa 130 km entfernt.Petra liegt in einer Höhe von 950 Metern über dem Meeresspiegel.Die Eintrittskarte für einen Tag kostet 20 JD. An Donnerstagen wird eine Tour durch Petra bei Nacht für 12 JD angeboten.Vom Eingang des Geländes bis zum Beginn des Siq kann man ein Pferd mieten oder vom Eingang durch den Siq bis zum Schatzhaus mit einer Pferdekutsche fahren (sofern verfügbar). Innerhalb der Stadt können Touristen Petra auf dem Rücken von mit bunten Decken behängten Kamelen erleben. In der Unterstadt bieten Beduinen kleine Fläschchen an, die mit farbigem Sand gefüllt sind – ein sehr typisches Souvenir aus Petra.
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